Warum der Rückbau über das Ergebnis entscheidet

Ein neuer Boden ist immer nur so gut wie der Untergrund darunter. Das gilt besonders für die dünnen, elastischen Beläge, die heute am häufigsten verlegt werden. Ein Klick-Vinyl mit vier oder fünf Millimetern Aufbau gleicht Unebenheiten nicht aus. Jede Kleberraupe, jede stehengebliebene Spachtelnase, jede Unebenheit im Estrich zeichnet sich früher oder später an der Oberfläche ab, und zwar genau dort, wo täglich gelaufen wird. Bei Laminat ist es etwas gutmütiger, bei Parkett und bei vollflächig verklebten Belägen dagegen noch strenger.

Deshalb ist das Aufnehmen des alten Belags nicht das Ende der alten Arbeit, sondern der Anfang der neuen. Was zählt, ist nicht, wie schnell der Teppich draußen ist, sondern in welchem Zustand der Untergrund danach ist.

Erst schauen, was da liegt

Der Aufwand unterscheidet sich je nach Belag erheblich, und zwar weniger beim Belag selbst als bei dem, was er hinterlässt. Ein schwimmend verlegtes Laminat ist in einem durchschnittlichen Zimmer zügig aufgenommen und hinterlässt nichts außer der Trittschalldämmung. Ein verklebter Teppich kann dagegen mehrere Tage kosten, weil der Rücken beim Ziehen reißt und der Kleber auf dem Estrich bleibt.

BelagAufnehmenWomit Sie rechnen sollten
Laminat, schwimmendeinfachmeist rückstandsfrei, Dämmung kommt mit heraus
Teppich, lose verlegteinfachKlebeband an den Rändern, Reste am Estrich
Teppich, verklebtaufwendigRücken reißt, Kleber bleibt flächig stehen
PVC und Linoleum, verklebtaufwendigharter Kleberfilm, muss abgetragen oder überspachtelt werden
Parkett und Dielenunterschiedlichoft aufarbeitbar, Nägel und Blindboden prüfen
FliesenschwerStemmarbeiten, Lärm, viel Schutt, Estrich kann mitreißen

Bei Dielen und Parkett lohnt vor dem Rückbau immer die Frage, ob der Boden nicht bleiben kann. In Leipziger Gründerzeitwohnungen liegen unter Teppich und PVC häufig noch die originalen Dielen. Sind sie tragfähig und nicht durchgehend von Feuchtigkeit oder Schädlingen geschädigt, kommt eine Aufarbeitung durch einen Parkettlegerbetrieb in Frage, die oft die bessere Lösung ist. Welcher Belag passt, wenn es doch ein neuer werden soll, steht im Beitrag Welcher Boden für die Mietwohnung.

Der schwarze Kleber und die alten Platten

Das ist der Punkt, an dem ein Rückbau vom Handwerk zur Schadstofffrage wird, und der Punkt, den die meisten Ratgeber auslassen. In Gebäuden, die vor dem 31. Oktober 1993 errichtet wurden, können sowohl der Belag als auch der Kleber Asbest enthalten. Bis zu diesem Datum war die Verarbeitung von Asbest in Deutschland zulässig, seither ist sie verboten, EU-weit gilt das Verbot seit 2005.

Seit der Novelle der Gefahrstoffverordnung, die am 5. Dezember 2024 in Kraft getreten ist, ist dieses Datum auch rechtlich der Auslöser. Wer die Arbeiten veranlasst, muss dem ausführenden Betrieb alle vorliegenden Informationen zu Baujahr und bekannter Schadstoffbelastung geben. Bleibt die Lage danach unklar, muss vor Beginn erkundet werden, und diese Erkundung ist eine besondere Leistung, die gesondert abgerechnet wird.

Zwei Dinge machen hellhörig. Das erste sind kleine, quadratische, spröde Platten, meist in gedeckten Farben mit einer wolkigen Maserung. Diese sogenannten Floor-Flex-Platten wurden vor allem zwischen 1950 und 1980 verlegt. Das zweite ist ein PVC-Belag mit einem grauen, filzartigen Rücken, verbreitet in den siebziger und achtziger Jahren. Beides kann Asbest enthalten, ansehen kann man es keinem von beiden.

Dazu kommt der Kleber. Der harte, schwarzbraune Klebstoff, der unter alten Belägen und unter altem Parkett auftaucht, ist ein Bitumen- oder Teerkleber. Solche Kleber enthalten in der Regel polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK, und sie können zusätzlich Asbest enthalten. Bei Parkett wurde ab etwa Mitte der sechziger Jahre auf Kunstharzkleber umgestellt, im Einzelfall kamen teerhaltige Kleber aber noch bis Anfang der achtziger Jahre zum Einsatz.

Wann Sie aufhören sollten

Wenn kleine quadratische Platten, ein filziger PVC-Rücken oder ein harter schwarzer Kleber auftauchen und der Aufbau alt sein könnte: nicht weiter reißen, nicht schleifen, nicht trocken kehren. Genau diese drei Tätigkeiten setzen Fasern frei. Der saubere Weg ist eine Materialprobe im Labor. Fällt sie positiv aus, gehört die Arbeit in die Hände eines Fachbetriebs mit der nach Gefahrstoffverordnung und TRGS 519 geforderten Sachkunde, und sie ist vorher bei der Arbeitsschutzbehörde und beim Unfallversicherungsträger anzuzeigen. Das kostet etwas Wartezeit und deutlich weniger Nerven als die Alternative.

So läuft der Rückbau ab

  1. Raum leeren und abschotten. Türen abdichten, Wege abdecken, bei staubigen Arbeiten die angrenzenden Räume trennen.
  2. Belag aufnehmen. Bei großen Flächen in Bahnen schneiden, das erspart das Ringen mit sperrigen Stücken im Treppenhaus.
  3. Reste entfernen. Kleber, Spachtelmasse und Dämmreste herunterholen, staubarm und ohne den Estrich zu beschädigen.
  4. Untergrund beurteilen. Risse, Hohlstellen, Feuchtigkeit und Ebenheit prüfen. Bei Zweifeln an der Restfeuchte gibt eine CM-Messung Sicherheit, die zulässigen Werte hängen von Estrichart und geplantem Belag ab.
  5. Vorbereiten. Grundieren, spachteln, bei Bedarf ausgleichen, damit der neue Belag eine ebene Fläche bekommt.
  6. Abfahren und entsorgen. Getrennt nach Material, siehe unten.

Wenn ohnehin gestrichen oder trockengebaut wird, gehört der Rückbau an den Anfang und der neue Boden ans Ende. Warum das so ist und was dazwischen passiert, steht im Beitrag Renovierung planen: in welcher Reihenfolge die Gewerke.

Was den Aufwand bestimmt

Eine Pauschale gibt es beim Rückbau noch weniger als beim Verlegen. Vier Dinge bestimmen, ob es ein halber Tag oder eine halbe Woche wird. Erstens die Art des Klebers, denn die Kleberentfernung ist fast immer der längste Posten. Zweitens die Etage und der Aufzug, weil das Material getragen werden muss. Drittens der Zustand des Estrichs, weil eine notwendige Ausgleichsschicht ein eigener Arbeitsgang mit eigener Trockenzeit ist. Und viertens die Frage, ob Schadstoffe im Spiel sind, denn dann ändert sich das Verfahren komplett.

Wie sich das mit den Kosten für den neuen Belag zusammenrechnet, steht im Beitrag Was kostet Bodenverlegen in Leipzig.

Entsorgung: was wohin gehört

Unbelastetes Material

Bodenbeläge sind Baumischabfall und gehören getrennt gesammelt. Laminat, Teppich und PVC lassen sich in kleinen Mengen über den Wertstoffhof abgeben, bei einer ganzen Wohnung wird daraus schnell eine Reihe von Fahrten, und die angenommene Menge ist an vielen Höfen begrenzt. Ab etwa einer Zimmergröße ist ein Absetzcontainer meist der ruhigere Weg. Fliesenschutt zählt als mineralischer Bauschutt und muss getrennt bleiben, sonst wird die gesamte Fuhre als Mischabfall abgerechnet, und das ist der teurere Weg.

Belastetes Material

Für belastetes Material gelten eigene Regeln. Teerhaltige Kleber ab einem PAK-Gehalt von 1.000 Milligramm je Kilogramm laufen unter dem Abfallschlüssel 17 03 03*, asbesthaltige Abfälle unter 17 06 05*. Beides sind gefährliche Abfälle, sie müssen verpackt und auf einer zugelassenen Deponie abgelagert werden. Über den Wertstoffhof geht das nicht.

Selbst machen oder machen lassen

Ehrlicherweise: Ein schwimmendes Laminat in einem Zimmer bekommt jeder selbst heraus, dafür braucht es keinen Handwerker. Interessant wird es bei allem, was verklebt ist. Kleberentfernung ist körperlich anstrengend, staubig und schlecht planbar, und sie ist der Arbeitsgang, an dem die meisten Eigenleistungen scheitern. Wer den Rückbau selbst macht, sollte sich vorher überlegen, wer den Untergrund beurteilt und wer dafür geradesteht, wenn der neue Boden auf einem ungeeigneten Untergrund verlegt wird.

Wir übernehmen den Rückbau in Leipzig als eigene Leistung, mit Beurteilung des Untergrunds, staubarmem Arbeiten und getrennter Entsorgung. Mehr dazu unter Rückbau und Entsorgung, und wenn der neue Belag gleich mit soll, unter Bodenverlegung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Untergrund entscheidet über den neuen Boden, nicht der Belag.
  • Der Kleber ist fast immer der aufwendigste Teil, nicht der Belag.
  • Bei Aufbauten vor 1993 gilt: erst prüfen, dann reißen.
  • Getrennt sammeln spart bei der Entsorgung mehr als jede Verhandlung.
  • Dielen und Parkett verdienen vor dem Rückbau eine zweite Meinung.

Als Nächstes lesenswert: Welcher Boden für die Mietwohnung und Was kostet Bodenverlegen in Leipzig.