Woraus Laminat besteht, und warum das wichtig ist

Ein Laminatpaneel ist kein Holzboden. Der Kern besteht aus einer hochverdichteten Holzfaserplatte, dem HDF-Träger. Darauf liegt ein bedrucktes Dekorpapier, darüber eine transparente Deckschicht, das Overlay, in dem die Abriebfestigkeit steckt. Unten sorgt ein Gegenzug dafür, dass sich das Paneel nicht verzieht.

Aus diesem Aufbau folgt alles Weitere. Die Oberfläche ist sehr hart und kratzunempfindlich, weil sie aus Kunstharz besteht. Der Kern dagegen ist Holz, und Holz quillt, wenn Wasser hineinläuft. Ein aufgequollener HDF-Träger geht nicht wieder zurück. Deshalb steht bei Laminat der Umgang mit Feuchtigkeit im Mittelpunkt, nicht der Umgang mit Kratzern.

Die zwei Zahlen, auf die es ankommt

Im Datenblatt jedes Laminats stehen zwei Angaben, die miteinander verwandt, aber nicht dasselbe sind. Die Nutzungsklasse nach DIN EN ISO 10874 sagt, für welche Beanspruchung der Boden insgesamt gedacht ist. Die Abriebklasse AC aus der Laminatnorm DIN EN 13329 sagt, wie widerstandsfähig die Deckschicht im Prüfverfahren war.

NutzungsklasseBereichWofür sie gedacht ist
21Wohnen, geringSchlafzimmer, Gästezimmer, wenig begangen
22Wohnen, normalWohnzimmer, Esszimmer, Zimmerflure
23Wohnen, starkKüche, Diele, Eingangsflur, Treppe
31Gewerbe, geringHotelzimmer, kleine Besprechungsräume
32Gewerbe, normalBüro, Laden, Kindergarten, Wartebereich
33Gewerbe, starkGroßraumbüro, öffentliche Gebäude

Bei den Abriebklassen gilt: AC1 hält im Prüfverfahren rund 900 Umdrehungen aus, AC3 rund 2.000, AC4 rund 4.000 und AC5 rund 6.000. Für eine normal genutzte Wohnung ist AC4 in Verbindung mit Nutzungsklasse 32 ein guter Kompromiss aus Preis und Haltbarkeit. Wer im Flur oder in der Küche Nutzungsklasse 21 verlegt, spart beim Kauf und ärgert sich später über blank gelaufene Stellen vor der Spüle.

Ein häufiges Missverständnis

Die Zusatzklassen wie 22+ sind mit einer Neuausgabe der Norm entfallen. Wenn Ihnen jemand Ware mit dieser Angabe verkauft, ist das entweder Restbestand oder ein Hinweis darauf, dass die Angaben nicht gepflegt sind. Und: Die Dicke des Paneels sagt nichts über die Abriebfestigkeit. Ein zwölf Millimeter dickes Paneel mit AC3 ist nicht widerstandsfähiger als ein achter mit AC5, es fühlt sich nur satter an.

Der Untergrund entscheidet mehr als der Belag

Laminat wird schwimmend verlegt, es liegt also lose auf dem Untergrund. Das bedeutet: Der Boden trägt sich selbst nicht. Jede Unebenheit im Estrich wird zu einer Stelle, an der das Paneel arbeitet, und aus Arbeiten wird mit der Zeit Knarzen, Fugenbildung oder eine gebrochene Klickverbindung.

Maßstab ist die DIN 18202. Für flächenfertige Böden gilt Tabelle 3, Zeile 3: bei einem Meter Messpunktabstand sind vier Millimeter Abweichung zulässig, bei vier Metern zehn Millimeter. Wer eine ebenere Fläche braucht, muss die erhöhten Anforderungen der Zeile 4 ausdrücklich vereinbaren, sie gelten nicht automatisch.

Der zweite Punkt ist die Feuchtigkeit. Ein Estrich, der noch nicht belegreif ist, gibt Wasser nach oben ab, und das landet im HDF-Kern. Gemessen wird das mit der CM-Messung. Für Zementestrich liegt die Belegreife bei 2,0 CM-Prozent, mit Fußbodenheizung bei 1,8. Bei Calciumsulfatestrich, oft Anhydritestrich genannt, sind es 0,5. Für den beheizten Calciumsulfatestrich gibt es zwei Zahlen: die Estrichnorm lässt auch dort 0,5 zu, das Merkblatt des Bodenlegerhandwerks bleibt bei 0,3. Wir messen nach dem strengeren Wert, weil das Risiko einer zu frühen Belegung beim Belag landet und nicht beim Estrich. Bei einer Fußbodenheizung gehört außerdem das Aufheizprotokoll dazu, ohne das ist die Belegreife nicht nachgewiesen, egal was das Messgerät sagt.

So läuft das Verlegen ab

  1. Akklimatisieren. Die ungeöffneten Pakete kommen flach liegend in den Raum, in dem verlegt wird, und bleiben dort nach Herstellerangabe meist ein bis zwei Tage.
  2. Untergrund prüfen und vorbereiten. Ebenheit messen, Restfeuchte prüfen, bei Bedarf spachteln und ausgleichen.
  3. Dampfbremse und Trittschall auslegen. Auf mineralischen Untergründen gehört eine Dampfbremse darunter, sonst wandert Feuchtigkeit von unten in den Boden.
  4. Verlegen mit Randfuge. Umlaufend zu allen festen Bauteilen bleibt ein Abstand, üblich sind zehn bis fünfzehn Millimeter. Auch um Heizungsrohre und Türzargen herum.
  5. Bewegungsfugen setzen. In jedem Türdurchgang, und bei großen zusammenhängenden Flächen zusätzlich. Ab welcher Größe, steht in der Verlegeanleitung des jeweiligen Produkts und unterscheidet sich zwischen den Systemen. Sie geht jeder Faustregel vor.
  6. Türen kürzen, Leisten setzen. Sockelleisten werden an der Wand befestigt, niemals auf dem Boden, sonst ist die Randfuge blockiert und der Boden schiebt sich in der Fläche auf.

Der Punkt mit der Randfuge klingt nebensächlich und ist der häufigste Grund für Reklamationen. Ein schwimmender Boden dehnt sich mit Temperatur und Luftfeuchte. Findet er an der Wand keinen Platz, wölbt er sich in der Mitte.

Fußbodenheizung, Küche und Bad

Laminat und Fußbodenheizung vertragen sich, wenn zwei Bedingungen stimmen. Der Wärmedurchlasswiderstand aus Belag und Dämmunterlage zusammen darf 0,15 Quadratmeterkelvin je Watt nicht überschreiten, sonst kommt die Wärme nicht mehr im Raum an. Und die Oberflächentemperatur soll 29 Grad nicht übersteigen. Dicke Schaumunterlagen aus dem Baumarkt scheitern an der ersten Bedingung fast immer, hier braucht es eine ausdrücklich für Fußbodenheizung freigegebene Unterlage.

In der Küche ist Laminat unproblematisch, solange verschüttetes Wasser zügig aufgenommen wird. Im Bad ist es eine Abwägung. Es gibt inzwischen Kollektionen mit imprägnierten Kanten und dichten Klickverbindungen, die für Feuchträume freigegeben sind, meist mit der Auflage, dass alle Anschlüsse an Leisten und Rohre mit Silikon abgedichtet werden. Im direkten Spritzwasserbereich von Dusche und Wanne hat Laminat trotzdem nichts zu suchen. Dort ist eine Fliese oder ein vollflächig verklebter Belag mit Verbundabdichtung die richtige Antwort.

Warum der Materialpreis wenig aussagt

Der Materialpreis ist bei Laminat der kleinere Teil der Rechnung und der, den man am leichtesten vergleichen kann. Der Aufwand entsteht woanders: beim Zustand des Untergrunds, beim Zuschnitt der Räume, beim Verlegemuster und bei den Nebenarbeiten, die auf keinem Prospekt stehen. Ein verwinkelter Altbauflur mit fünf Türen kostet pro Quadratmeter deutlich mehr Zeit als ein rechteckiges Zimmer derselben Fläche.

Welche Posten den Preis im Einzelnen bestimmen und was in Angeboten regelmäßig fehlt, steht im Beitrag Was kostet Bodenverlegen in Leipzig. Beziffern lässt es sich seriös erst nach einem Aufmaß vor Ort. Mehr zu unserer Arbeit auf der Seite Bodenverlegung in Leipzig.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nutzungsklasse und Abriebklasse stehen beide im Datenblatt und sagen Verschiedenes.
  • Für Küche und Flur mindestens Nutzungsklasse 23, besser 32.
  • Der Untergrund entscheidet über die Haltbarkeit, nicht die Dicke des Paneels.
  • Randfuge von zehn bis fünfzehn Millimetern, Sockelleiste an die Wand.
  • Bei Fußbodenheizung auf den Wärmedurchlasswiderstand achten, nicht irgendeine Unterlage nehmen.

Als Nächstes lesenswert: Welcher Boden für die Mietwohnung und Alten Boden entfernen und entsorgen.