Erst den Untergrund verstehen
Bevor Sie einen Eimer öffnen, sollten Sie wissen, worauf Sie streichen. Drei einfache Prüfungen beantworten das, bevor der erste Eimer aufgeht.
Der Wischtest: Mit der flachen Hand über die Wand fahren. Bleibt Kreide an der Hand, ist der alte Anstrich kreidend oder es handelt sich um eine Leimfarbe. Darauf hält kein neuer Anstrich, die Fläche muss abgewaschen oder abgebürstet und anschließend mit Tiefengrund gefestigt werden.
Der Wassertest: Ein paar Tropfen Wasser auf die Wand geben. Zieht es sofort ein und die Stelle wird dunkel, ist der Untergrund stark saugend. Das ist typisch für frischen Putz, Gipsplatten und alte Kalkflächen. Ohne Grundierung saugt so ein Untergrund das Bindemittel aus der Farbe, die Fläche wird fleckig und der Verbrauch steigt deutlich.
Der Klebebandtest: Ein Streifen Kreppband fest auf die Wand drücken und ruckartig abziehen. Kommt der Anstrich mit, ist er nicht tragfähig und muss herunter.
Dazu kommt die Frage nach Rissen. Ein feiner Haarriss in der Oberfläche lässt sich überspachteln. Ein Riss, der sich über die Zeit verändert, gehört angesehen, bevor er überstrichen wird. Und Flecken durch Wasser, Nikotin oder Ruß schlagen durch jede Dispersionsfarbe hindurch, dort ist eine Isoliergrundierung nötig, sonst zeichnen sie sich nach kurzer Zeit wieder ab.
Was auf dem Eimer steht
Wandfarben sind nach DIN EN 13300 klassifiziert, und die beiden wichtigen Angaben stehen meist klein auf der Rückseite.
| Angabe | Bedeutung | Was das für Sie heißt |
|---|---|---|
| Nassabrieb Klasse 1 | bis 5 Mikrometer Verlust nach 200 Zyklen | höchste Beständigkeit, für Flächen, die gereinigt werden |
| Nassabrieb Klasse 2 | über 5 bis 20 Mikrometer | gute Wahl für Küche, Flur, Kinderzimmer |
| Nassabrieb Klasse 3 | über 20 bis 70 Mikrometer | ausreichend für normale Wohnräume |
| Deckkraft Klasse 1 | Kontrastverhältnis ab 99,5 Prozent | auf gleichfarbigem Untergrund oft in einem Arbeitsgang |
| Deckkraft Klasse 2 | 98 bis unter 99,5 Prozent | zwei Anstriche einplanen |
Je kleiner die Zahl, desto besser die Eigenschaft. Eine Farbe mit Deckkraftklasse 1 ist teurer je Liter, spart aber häufig einen kompletten Arbeitsgang. Wer bei der Farbe spart, zahlt mit Zeit, und Zeit ist beim Streichen der größere Posten.
Der Ablauf
- Räumen und schützen. Möbel in die Raummitte, Boden vollflächig abdecken. Malervlies ist Folie überlegen, weil es nicht rutscht und Tropfen aufnimmt.
- Untergrund instand setzen. Löcher und Risse spachteln, Spachtelstellen nach dem Trocknen schleifen und gründlich entstauben.
- Grundieren. Tiefengrund bei kreidendem oder saugendem Untergrund, Isoliergrundierung bei Flecken. Trockenzeit einhalten.
- Abkleben. Erst jetzt, auf der fertigen, staubfreien Fläche. Kanten, Zargen, Steckdosenrahmen. Das Band fest andrücken, sonst kriecht Farbe darunter. Auf frisch grundiertem, noch feuchtem Untergrund hält kein Band.
- Decke zuerst, dann Wände. Immer von oben nach unten, sonst laufen Spritzer über bereits fertige Flächen.
- Streichen in zwei Anstrichen, wenn die Deckkraft es verlangt. Erst die Ecken und Kanten mit dem Pinsel vorstreichen, dann sofort die Fläche mit der Rolle nachziehen.
- Band ziehen, solange die Farbe noch feucht ist. Trocknet die Farbe über das Band, reißt sie beim Abziehen ein.
Warum Ansätze entstehen
Ein sichtbarer Ansatz ist eine Stelle, an der frische Farbe auf bereits angetrocknete trifft. Die Lösung heißt nass in nass: eine Wand am Stück streichen, ohne Pause, und die Bahnen so überlappen lassen, dass der Rand noch feucht ist. Bei großen Flächen heißt das zu zweit arbeiten, einer schneidet die Kanten vor, einer rollt hinterher. Wer allein an einer sechs Meter langen Wand anfängt und in der Mitte eine Zigarettenpause macht, sieht die Stelle danach jeden Tag.
Was den Aufwand bestimmt
Die Fläche ist der offensichtliche Faktor, aber selten der entscheidende. Wichtiger sind vier andere Dinge. Die Raumhöhe, weil ab etwa drei Metern ein Gerüst oder eine Bühne nötig wird und jeder Arbeitsgang länger dauert. Der Zustand der Wände, weil Spachteln und Schleifen mehr Zeit kosten als der Anstrich selbst. Die Zahl der Kanten, denn eine Wand ohne Unterbrechung ist schnell gerollt, ein Raum mit Stuck, Nischen und sechs Türen besteht fast nur aus Kanten. Und die Farbwahl, weil kräftige Töne oft drei Anstriche brauchen und ein Farbwechsel von dunkel auf hell einen zusätzlichen deckenden Voranstrich verlangt.
Selbst streichen oder nicht
Streichen ist die Arbeit, die sich für Eigenleistung am ehesten lohnt, weil das Werkzeug günstig ist und Fehler korrigierbar sind. Zwei Einschränkungen gibt es. Erstens die Höhe: Decken und hohe Altbauwände sind körperlich anstrengend und mit einer Leiter im Wohnzimmer nicht sicher zu machen. Zweitens der Zeitdruck: Wer bis zum Übergabetermin fertig sein muss, unterschätzt regelmäßig, wie lange Trockenzeiten dauern.
Kommt ohnehin ein neuer Boden oder muss eine Wohnung für die Übergabe fertig werden, übernehmen wir das Tapezieren und einfache Anstriche im Rahmen der Renovierung gleich mit. Wo die Grenze zwischen dieser Nebenleistung und dem Malerhandwerk verläuft, steht im Beitrag Streichen bei der Renovierung. Mehr zu unserer Arbeit an Wänden und Decken.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine kurze Untergrundprüfung erspart oft einen kompletten zweiten Anstrich.
- Kreidende und stark saugende Flächen brauchen Grundierung, keine Ausnahme.
- Flecken durch Wasser oder Nikotin brauchen eine Isoliergrundierung.
- Nassabrieb- und Deckkraftklasse stehen auf dem Eimer, kleinere Zahl ist besser.
- Eine Wand immer am Stück streichen, sonst gibt es Ansätze.
- Klebeband abziehen, solange die Farbe feucht ist.
Als Nächstes lesenswert: Renovierung planen: die Reihenfolge und Wohnung renovieren beim Auszug.