Warum es diese Grenze überhaupt gibt

Das Maler- und Lackiererhandwerk ist in Deutschland ein zulassungspflichtiges Handwerk. Wer es als eigenständiges Gewerbe betreiben will, braucht die Eintragung in die Handwerksrolle. Gleichzeitig sieht die Handwerksordnung vor, dass ein Betrieb Arbeiten aus einem anderen Handwerk ausführen darf, wenn sie mit seiner eigenen Leistung technisch oder wirtschaftlich zusammenhängen. Das ist die sogenannte Nebenleistung.

Für Sie als Kunde ist das keine Formalie, sondern eine praktische Orientierung. Sie sagt Ihnen, wann ein Renovierungsbetrieb die Farbe mitmachen kann und wann Sie besser einen Malerfachbetrieb dazuholen, weil dort das Werkzeug, die Erfahrung und die Gewährleistung dafür sitzen.

Was zu einer Renovierung dazugehört

ArbeitEinordnungTypische Situation
Einfache AnstricheNebenleistungWände und Decken in einem Raum, der ohnehin renoviert wird
TapezierenNebenleistungRaufaser oder Vlies, nach dem Entfernen der alten Tapete
Kleine AusbesserungenNebenleistungDübellöcher, Risse, Spachtelstellen vor dem Anstrich
Trockenbauflächen in Q2, auf Wunsch Q3NebenleistungVerspachteln neuer Platten als Teil der Trockenbauleistung
Stuck und ZierprofileMalerfachbetriebAltbaudecken mit erhaltenswerten Profilen
Spachtel- und PutztechnikenMalerfachbetriebGlätttechniken, Q4-Flächen, dekorative Oberflächen
LackierarbeitenMalerfachbetriebTüren, Zargen, Heizkörper, Fenster von innen
Fassade und AußenanstrichMalerfachbetrieballes außerhalb der Wohnung

So arbeiten wir: Wenn wir eine Wohnung renovieren, Boden verlegen oder eine Trockenbauwand stellen, übernehmen wir das Tapezieren und einfache Anstriche als Teil dieser Leistung gleich mit. Nicht die richtige Adresse sind wir für Stuck, dekorative Techniken oder Lackierarbeiten. Wenn Ihr Projekt das braucht, sagen wir es Ihnen bei der Besichtigung, statt es nebenbei mitzumachen.

Was Sie davon haben, dass ein Betrieb das offen sagt

Wer alles anbietet, macht selten alles gut. Die praktische Folge einer klaren Grenze ist, dass Sie für die kritischen Flächen den richtigen Betrieb bekommen. Bei einer Gründerzeitdecke mit Stuck entscheidet nicht die Farbe über das Ergebnis, sondern ob jemand weiß, wie man ein Profil freilegt, ohne die Kanten zu verlieren. Das ist Malerarbeit, und ein guter Malerfachbetrieb ist dafür kein Zusatzposten, sondern die Voraussetzung.

Wann im Ablauf gestrichen wird

Diese Frage wird häufiger falsch beantwortet als die nach der Farbe. Die Regel ist einfach: Wände und Decken kommen vor dem Boden. Farbspritzer auf einem Estrich, der noch abgedeckt wird, sind belanglos. Farbspritzer auf einem frisch verlegten Designboden sind ein Problem.

Daraus ergeben sich drei günstige Zeitpunkte. Vor dem Einzug, solange die Räume leer sind, das ist mit Abstand der schnellste und sauberste Fall. Im Zuge einer Renovierung, wenn ohnehin Rückbau und Trockenbau stattfinden, dann liegt der Anstrich zwischen den staubigen Arbeiten und dem Boden. Vor der Übergabe beim Auszug, wenn der Mietvertrag es verlangt und die Wohnung leer ist.

Ungünstig ist der vierte Fall, der in der Praxis am häufigsten vorkommt: gestrichen wird in einer bewohnten, möblierten Wohnung, nach dem Boden, unter Zeitdruck. Das geht, kostet aber deutlich mehr Zeit für Abdecken und Räumen, und das Ergebnis ist an den Rändern nie so ruhig. Die vollständige Abfolge steht im Beitrag Renovierung planen: in welcher Reihenfolge die Gewerke.

Was Sie vorbereiten können

Wenn ein Betrieb kommt, entscheidet Ihre Vorbereitung spürbar über den Aufwand. Räumen Sie so weit wie möglich, mindestens von den Wänden weg. Nehmen Sie Bilder, Regale und Gardinenstangen ab und lassen Sie die Dübel drin, wenn die Löcher ohnehin verschlossen werden. Sagen Sie vorher Bescheid, wenn es Wasserflecken, Schimmelspuren oder Nikotinablagerungen gibt, denn das ändert die Grundierung und damit die Kalkulation. Und legen Sie fest, welcher Farbton auf welche Fläche soll, bevor die Arbeit beginnt, nicht danach.

Wie ein belastbares Angebot aussieht

Ein Angebot für Anstricharbeiten sollte drei Dinge erkennen lassen: welche Flächen gemeint sind, welche Vorarbeiten enthalten sind und wie viele Anstriche vorgesehen sind. Achten Sie besonders auf die Vorarbeiten, denn Spachteln, Schleifen und Grundieren sind der zeitaufwendige Teil. Worauf es bei Angeboten allgemein ankommt, steht ausführlich im Beitrag Handwerker beauftragen.

Was bei uns dazugehört, steht auf der Seite Wände und Decken in Leipzig. Wenn Ihr Vorhaben in Wirklichkeit ein Malerauftrag ist, sagen wir Ihnen das lieber vorher.

Als Nächstes lesenswert: Wände streichen: Ablauf, Farbwahl und Fehler und Altbau renovieren in Leipzig.